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USA sind mitten in einer Rezession


Nach starken geldpolitischen Interventionen der grossen Zentralbanken der Welt boomen die Börsen. Die bekannten amerikanischen Aktienindizes sind nicht mehr weit von den Allzeithochs entfernt, die sie noch kurz vor der Krise erreicht hatten. Mit der Realwirtschaft habe das jedoch wenig zu tun, erklärt Lakshman Achuthan.

Der Manager und Mitbegründer des aufgrund seiner bisher recht präzisen Prognosen bekannt gewordenen Economic Cycle Research Institute in New York ist sicher, dass sich die amerikanische Wirtschaft mitten in einer Rezession befindet. An den offiziellen Wachstumsraten werde sich das erst gegen Ende das Jahres ablesen lassen, da sie die Entwicklung nur verzögert abbildeten. Die dem volkswirtschaftlichen Zyklus gleich- oder vorauslaufenden Indikatoren jedoch deuteten auf einen synchronen, globalen Abschwung hin, sagt er.

Nzz.ch: Sie kündigten schon vor einiger Zeit an, die USA würden in eine Rezession geraten. Sind sie nun 'drin?


Ja, wenn ich das Resultat unserer Analysen betrachte, dann denke ich schon. Bereits Ende des vergangenen Jahres konnten wir spezifizieren, dass wir entweder im ersten Quartal oder spätestens in der Mitte des laufenden Jahres in eine volkswirtschaftliche Schwächephase geraten würden. Wir sagten damals auch, dass erst später offensichtlich werden würde, dass wir uns in einer Rezession befinden.

Wie kommt das?


Das ist die typische Art, wie Rezessionen üblicherweise erkannt werden. Denn niemand lässt die Glocken läuten und erklärt dann "die Rezession ist da". Sie wird vielmehr erst dann als solche festgestellt, wenn die entsprechenden Fakten in Form von Daten auf dem Tisch liegen.

Was werden wir denn Ende des Jahres sehen, eine negative Wachstumszahl zum Beispiel?

Wenn wir mit unserer Prognose richtig liegen, dann werden negative Wachstumsraten und eine enttäuschende Entwicklung am Arbeitsmarkt zu der Art von Konjunkturdaten gehören, die wir demnächst sehen werden. Ende des Jahres wird offensichtlich werden, dass die amerikanische Wirtschaft schrumpft, statt zu expandieren.

Woran machen Sie das fest?

Man kann schon einige Hinweise erkennen, die unsere Prognose bestätigen. Mit dem Konjunkturzyklus gleich laufende Indikatoren wie etwa die Umsatzentwicklung oder auch die Industrieproduktion scheinen ihre Höhepunkte überschritten zu haben. Gerade auch die jüngst veröffentlichte Zahl, die Auskunft über die Entwicklung der Industrie gibt, zeigte einen so starken Rückgang, wie er in dieser Dimension normalerweise nur im Rahmen einer Rezession zu beobachten ist. Selbst die Entwicklung am Arbeitsmarkt und bei den Einkommen deuten darauf hin.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), auf dessen Entwicklung viele Marktteilnehmer schauen und bei dem sie sich über negative Zahlen sorgen, ist ein eigenartiges Konstrukt. Denn eine Rezession kann schon begonnen haben, obwohl das BIP noch positiv ist und allenfalls das Hoch des volkswirtschaftlichen Zyklus anzeigt. Mit einem Plus von etwas weniger als 2%, das ohnehin mit grosser Wahrscheinlichkeit noch nach unten revidiert werden wird, fiel es in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres sogar noch schwächer aus als im Jahr 2008. Aber auch damals wurde die Rezession in der zweiten Jahreshälfte offensichtlich.

Können die schwachen Industriedaten der Grund dafür sein, dass die amerikanische Zentralbank ihre jüngste Runde der extremen Geldpolitik eingeleitet hat?

Das ist eine interessante Frage. Immerhin kam die Ankündigung 24 Stunden vor der Veröffentlichung der Zahlen. Da sie von der Zentralbank ermittelt werden, wussten die entscheidenden Personen also Bescheid. Ben Bernanke argumentierte zwar, man wolle geldpolitisch intervenieren, bis sich die schwierige Lage am Arbeitsmarkt löse. Im Unterschied zu den jüngsten Konjunkturindikatoren ist das jedoch nicht wirklich neu.

Wir sehen enttäuschende Daten und Sie sagen sogar, die US-Wirtschaft sei in einer Rezession. Auf der anderen Seite sehen wir stark steigende Kurse an der Wall Street. Wie passt das zusammen?

Die amerikanische Notenbank hat auf verschiedene Weise signalisiert, dass sie den Aktienmarkt im Kern als so etwas wie ein "geldpolitisches Instrument" betrachtet. Mehrfach hat sie die Hoffnung geäussert, die Geldpolitik werde das Anlegervertrauen verbessern und auf diese indirekte Weise die Wirtschaft positiv beeinflussen. Sie hat das Ziel, die Vermögenspreise zu beeinflussen.

Wie soll das funktionieren?

Die Theorie geht davon aus, dass sich die Leute mit steigenden Aktienkursen wohlhabender fühlen und deswegen mehr Geld als vorher ausgeben.

Glauben Sie an diese Logik?

Ich denke, die Stabilisierung des Verbrauchervertrauens ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Konjunktur. Aber es ist sicher nicht der einzige. Der Vertrauensbildungsprozess ist zudem zu komplex, als dass er sich alleine über den Aktienmarkt beeinflussen liesse. Mit Sicherheit spielt auch die Lage am Arbeitsmarkt eine Rolle, und dort sieht es nicht sonderlich gut aus. Immerhin werden viele Vollzeitstellen durch Teilzeitlösungen ersetzt und wie die Einkommensentwicklung zeigt, wird die Qualität neu geschaffener Stellen immer schlechter.

Private Umfragen zeigen, dass das Vertrauen der Verbraucher in die weitere Zukunft auf einem ziemlich tiefen Niveau verharrt. Es steht in offenem Gegensatz zum ausgeprägten Optimismus, der sich aus der Kursentwicklung an den Börsen in den vergangenen Wochen herauslesen lässt. Die Rohstoffmärkte stellen sogar ein Rätsel dar, weil einige Preise steigen, aber eben nicht alle. Der Ölpreis etwa, der üblicherweise sensibel auf die realwirtschaftliche Entwicklung reagiert, sorgt für Stirnrunzeln.

Was heisst das im Fazit?

Vorwärts schauende Indikatoren zeigen weltweit einen synchronen Abschwung. Er dürfte dazu führen, dass einige bedeutende Volkswirtschaften in eine Rezession geraten werden. Zum Beispiel in Europa und in den USA. Gleichzeitig sehen wir eine beachtliche Verlangsamung der konjunkturellen Aktivitäten in China, Indien und Brasilien. Es gibt im Moment keine Wirtschaftslokomotive mehr und keine Anzeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung verbessern würde. Der einzige Bereich, in welchem sich eine gewisse Stabilisierung auf tiefem Niveau abzeichnet, ist der amerikanische Häusermarkt. Dort gehen zumindest die Preisrückgänge im Durchschnitt zurück. Das heisst aber nur, dass er die konjunkturelle Entwicklung in den USA nicht mehr belastet. Der Sektor wird die amerikanische Wirtschaft kaum massgeblich beflügeln können. Denn er ist für die gesamte amerikanische Volkswirtschaft relativ unbedeutend - und selbst wenn er sich tatsächlich erholen sollte, wäre die Wirkung bescheiden. Auch die Folgewirkungen sind mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass zum Beispiel die Möbel für ein neues Haus aus dem Ausland importiert würden - und nicht im Binnenmarkt gefertigt.

Was ist von den geld- und fiskalpolitischen Interventionen zu halten, zu denen Zentralbanken und Regierungen neigen?

Selbst wenn man nicht intervenierte, würde der Konjunkturzyklus irgendwann nach oben drehen. Es ist seltsam, dass Rezessionen in den vergangenen Jahren «unzumutbar» geworden zu sein scheinen. Man glaubt, sie vermeiden zu können und versucht das beinahe um jeden Preis. Dabei sind sie in einem marktwirtschaftlichen System ebenso unvermeidbar und nötig wie normal. Wir hatten in den vergangenen 200 Jahren in Amerika 47 Rezessionen. Wieso sollte man die 48. vermeiden können? Dieser Glaube ist eine Illusion.

Alleine die Annahme, eine Regierung, der Kongress oder die Zentralbank hätten einen Fehler gemacht und seien dafür verantwortlich, dass die Wirtschaft in eine Rezession geraten sei, zeigt, dass ihr zyklischer Charakter nicht verstanden wird. Das Resultat von Eingriffen, die das Ziel hatten eine Rezession zu vermeiden, war vielfach schlechter als die Rezession selbst.

Sprechen die riesigen Staatsschulden inzwischen nicht für sich selbst?


Natürlich tun sie das. Da die fiskalischen Verhältnisse nach den ganzen keynesiansischen Eingriffen der vergangenen Jahrzehnte inzwischen paralysiert sind, sehen sich die Zentralbanken zu Interventionen gezwungen. Die Eingriffe des Fed, der EZB, der Bank of Japan – sie nennen es inzwischen QE 7 oder so, die Währungskriege, mit denen versucht wird, die Exporte des jeweils eigenen Landes zu bevorteilen – das sind alles Massnahmen, die zu unglaublichen Verzerrungen in den Märkten führen.

Wie zeigen sie sich?

Möglicherweise in Form destabilisierender Kursblasen – etwa an den Aktien- oder in den Rohstoffmärkten.

Sehen wir eine Preisblase im Rohstoffbereich?

Das ist schwierig zu sagen. In der Vergangenheit wurde noch nie so viel Liquidität von den Zentralbanken weltweit zur Verfügung gestellt. Sie kommt allerdings bisher nicht in der Realwirtschaft an, weil die Liquiditätsversorgung nicht das Kernproblem ist und weil schlicht und einfach die Nachfrage fehlt. So ist die Geldumlaufgeschwindigkeit sehr stark gefallen und befindet sich praktisch auf Rekordtief. Nachdem ein Teil der Liquidität in die Vermögenswerte geflossen ist, sind die Signale, die sie senden, ebenso verzerrt wie jene aus dem Zinsbereich.

Was würde passieren, wenn sich die Stimmung änderte und die Umlaufgeschwindigkeit plötzlich zunähme?

In diesem Fall würden die Inflationsraten schnell und stark steigen, denn zumindest die amerikanische Zentralbank hat bisher nur eines bewiesen, dass sie deutlich zu spät auf entsprechende Signale reagiert. Um explodierende Inflationserwartungen unter Kontrolle zu bekommen, wäre die Entschlossenheit eines Paul Volcker nötig, im Extremfall auch eine Rezession in Kauf zu nehmen. Angesichts der weit verbreiteten Abneigung dagegen kann genau daran gezweifelt werden.

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