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Auf der Suche nach der Rezession in den USA


Wie sich die Zeiten doch ändern: Wenn die amerikanische Konjunktur einst die dynamische Lokomotive der Weltwirtschaft war, so hat sie sich inzwischen in eine alte, rostige Zugmaschine verwandelt. Zwar wächst die amerikanische Wirtschaft noch, im ersten Quartal mit 2,0% und im zweiten Quartal mit 1,5%, doch manche Beobachter fürchten, die USA könnten in der zweiten Jahreshälfte in eine milde Rezession gleiten. Skeptische Analytiker befürchten indessen, die amerikanische Wirtschaft befinde sich bereits in einer Rezession.

Eine Frage der Kriterien

Dazu gehören beispielsweise die Experten des unabhängigen, nicht gewinnorientierten Economic Cycle Research Institute (ECRI). Sie warnten bereits Ende letzten Jahres vor einer Rezession in den USA, die im ersten Quartal oder spätestens im Sommer 2012 beginnen sollte. Das Institut gehört mit seiner Meinung einer Minderheit an, doch jüngst wiederholte es trotzig seine Warnung. Lakshman Achuthan, Chief Operating Officer des ECRI, meinte in einem Interview mit Bloomberg, die USA befänden sich schon in einer Rezession. Es sei jedoch sehr selten, meinte Achuthan, dass man genau wisse, dass die Rezession bereits begonnen habe. Oft benötige es ein bestimmtes grösseres Ereignis als Auslöser, wie früher beispielsweise die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers oder wie die Anschläge vom 11. September 2001. Bei der Analyse der Wirtschaftsverlangsamung geht das Institut nicht von der herkömmlichen, technischen Definition einer Rezession aus, nach der die Konjunktur in zwei aufeinanderfolgenden Kalenderquartalen schrumpfen muss, sondern von einer breiteren.

Danach bemisst sich eine Rezession nicht nur an der reinen Statistik zum Bruttoinlandprodukt (BIP) eines Landes, sondern an einer Kombination der gemeinsamen Entwicklung von Produktion, Arbeitsmarkt, Einkommen und Einzelhandelsverkäufen. Schaue man diese Faktoren an, sei zu befürchten, dass die Wirtschaft der USA derzeit in eine Rezession übergehe, obwohl die Wirtschaftsleistung bisher nicht in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen gesunken sei. Auch im Jahr 2001 hatte es beispielsweise keine zwei aufeinanderfolgenden negativen Quartale gegeben, obwohl rund 3 Millionen Stellen in der amerikanischen Wirtschaft verloren gegangen waren und sich der Nasdaq-Index halbiert hatte.

Achuthan verweist auf die stagnierende und zuletzt sogar leicht rückläufige Industrieproduktion, die sinkende Ausgabenfreude der Bürger im Detailhandel sowie die schwache Entwicklung beim realen Einkommenswachstum. Obwohl letzteres in einer Rezession typischerweise nicht einmal negativ werden müsse, sei es seit Monaten bereits negativ, was mit dem Start einer Rezession vergleichbar sei. Zur Schwäche neigten in den vergangenen Monaten zum Teil auch die persönlichen Einkommen in den USA sowie verschiedene Herstellungs-Barometer. So sind beispielsweise der Empire-State-Manufacturing-Index im Segment neue Bestellungen sowie das Ergebnis der Hersteller-Umfrage der Federal Reserve von Richemond in diesem Jahr bereits markant gesunken. Auch die Anzahl der neuen Bestellungen in der US-Industrie insgesamt scheint derzeit nach unten zu kippen.

Die schwachen Daten sind aus Sicht mancher Beobachter auch deshalb besorgniserregend, weil ja Notenbanken und Regierungen weltweit ungeheure Summen zur Stützung der Wirtschaft in selbige pumpen. Dennoch seien die Zahlen so ernüchternd, dass vieles darauf hindeute, dass sich die 48. Rezession in den USA in den vergangenen 220 Jahren nicht vermeiden lassen werde.

Angst vor den Jo-Jo-Jahren

Auch Kommentatoren ausserhalb des ECRI meinen, die Wirtschaft in den USA – und auch in Europa – stehe vor sogenannten Jo-Jo-Jahren. Dies bedeutet, dass viele Ökonomen eine Wellblech-Konjunktur befürchten, bei der es innerhalb von kurzer Zeit immer wieder zu markanten Auf- und Abschwüngen kommt, wobei die Abschwünge auch (milde) Rezessionen umfassen können. Die Volatilität des Geschäftszyklus und das geringe Durchschnittswachstum führten demnach dazu, dass es mehr Rezessionen gebe als in den vergangenen 25 Jahren zuvor. In dieser Zeit gab es erstaunlich wenige Rezessionen, da die Notenbanken jedes Anzeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs mit einer Erhöhung der Geldmenge und deutlichen Zinssenkungen bekämpft hatten. Daraus resultierte der Irrglaube, man könne Konjunkturzyklen gänzlich glätten oder sogar ausschalten.

Von 1982 bis 2007 verharrte die Konjunktur in den Vereinigten Staaten von Amerika laut Berechnungen der Bank Vontobel insgesamt nur 16 Monate in der Rezession, was einem Anteil von 5% der Monate entspreche. In den Jahren zwischen 1854 und 1982 habe der Anteil hingegen 35% betragen.

Zu der Gruppe der Kassandras gesellt sich auch Gary Shilling. Der renommierte amerikanische Finanzanalytiker lag in den vergangenen 40 Jahren mehrfach richtig mit seinen Einschätzungen von kommenden Rezessionen in den USA. Laut Schilling dürfte man in einiger Zeit sagen, dass die Rezession in den Vereinigten Staaten im zweiten Quartal 2012 begonnen habe. Bereits Anfang des Jahres hatte Schilling eine milde globale Rezession für 2012 vorhergesagt – völlig unabhängig davon, welche Massnahmen die US-Notenbank noch ergreifen sollte. Shilling beobachtet besonders die Detailhandelsverkäufe. Diese waren jüngst von März bis Mai in drei aufeinanderfolgenden Monaten gesunken. Dies habe es in den vergangenen Jahrzehnten erst 27 Mal gegeben; in 25 dieser 27 Fälle befand sich die US-Wirtschaft in einer Rezession, oder es startete innerhalb von drei Monaten eine neue Rezession.

Zu optimistische Ökonomen

Eine Umfrage des «Wall Street Journal» unter Ökonomen führte jüngst zu dem Ergebnis, dass nur 21% eine leichte Rezession in den kommenden zwölf Monaten in den USA erwarten. Allerdings neigen Ökonomen zu optimistischen Einschätzungen. Im August 2007 prognostizierten nur 28% der befragten Ökonomen eine Rezession.

Die Frühindikatoren für die USA neigen derzeit überwiegend zur Schwäche. Am Montag lag der Index der wirtschaftlichen Aktivität der Federal Reserve von Chicago erneut im negativen Terrain und unter den Erwartungen von Analytikern. Am morgigen Freitag folgt der Index zum Hersteller-Ausblick der Fed von Dallas, der seit Anfang Jahr ebenfalls klar nachgegeben hat. Und der kommende Woche erscheinende Hersteller-Index der Fed von Richmond befindet sich förmlich im Sturzflug – für Spannung ist weiterhin gesorgt.

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